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  • Am Hof 3-4

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    UniCredit Bank Austria
    NS-Zeit:  Büro des Gauleiters
    Baujahr
    1914
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    An der Anlage Am Hof 3–4 gab es ursprünglich drei Gebäude, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Bis 1913 stand hier die päpstliche Nuntiatur, nach deren Abriss war eine Bank bis zur Insolvenz 1926 hier ansässig. Die Räumlichkeiten übernahm 1933 die Vaterländische Front für ihr Generalsekretariat, nach dem „Anschluss“ quartierten sich hier die Wiener Gauleiter ein. Nach der Übersiedelung jener in das Parlament befanden sich in diesem Gebäude diverse NS-Behörden. Mit Kriegsende zog das „Ministerium für Volksernährung“ hier ein, ebenso wie ein Sicherheitswachzimmer der Polizei und auch eine Filiale der Länderbank, heute UniCredit Bank Austria.

    Mathias Egger

  • Babenbergerstraße 5

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Sozialministeriumservice – Landesstelle Wien
    NS-Zeit: Zweigstelle des Reichsarbeitsministeriums
    Baujahr
    1865
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude an der Babenbergerstraße 5 wurde in den Jahren 1864/65 nach Plänen von Karl Schumann errichtet und diente durchgehend Zwecken unterschiedlicher staatlicher Stellen. Anfangs als Eisenbahnerwohnhaus verwendet, war das Gebäude bis 1918 Sitz des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung. In der NS-Zeit beherbergte die Liegenschaft eine Zweigstelle des Reichsarbeitsministeriums, die Versorgungsämter Wien I und III des Hauptversorgungsamts Ostmark, vor allem mit Zuständigkeit für die soziale Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Nach 1945 bis heute blieb die Kontinuität hinsichtlich der Verwendung durch Sozialressorts erhalten. Aktuell hat dort das Sozialministeriumservice – Landesstelle Wien seinen Sitz.

    Werner Suppanz

  • Bankgasse 8

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Presseclub Concordia
    NS-Zeit: Abteilung des Reichsarchivs
    Baujahr
    1584
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In der Bankgasse 8 wohnten im Laufe der Jahrhunderte viele einflussreiche Personen und Familien, darunter die Batthyany-Strattmanns oder Erzherzog Karl. Während der Kanzlerdiktatur hatten hier die „Ostmärkischen Sturmscharen“ ihr „Kommandohaus“, nach dem „Anschluss“ befand sich im Gebäude eine Abteilung des Innenministeriums sowie des „Reichsarchivs“. Mit Kriegsende zog hier der „Liquidator der Einrichtungen des Deutschen Reichs“ ein. Anschließend wurde das Objekt saniert und seit 1958 hat der „Presseclub Concordia“ hier seinen Sitz.

    Mathias Egger

  • Bräunerstraße 5

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien
    NS-Zeit: Verwaltungspolizei des Polizeipräsidiums Wien
    Baujahr
    1861
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Liegenschaft erhielt im Jahr 1861 durch die Gestaltung nach Plänen von Ferdinand Fellner dem Älteren ihr heutiges Erscheinungsbild. Nach jahrhundertelanger Nutzung als Adelspalais diente das Gebäude im 20. Jahrhundert und bis heute Zwecken staatlicher Verwaltung bzw. Kultureinrichtungen. In der NS-Zeit war es Amtssitz der Abteilung II der Verwaltungspolizei des Polizeipräsidiums Wien. Aufgrund der Zuständigkeiten der Abteilung ist der Ort eng verbunden mit den Funktionen des Personenstandswesens im NS-Regime als einem Instrument von Ausgrenzung, von NS-Verfolgungs- und „Rassen“-Politik und daher als belastet zu betrachten. In der Zweiten Republik fungierte die Bräunerstraße 5 unter anderem als Amtsgebäude des Innenministeriums (um 2000) und ist seit 2007 Standort der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.

    Werner Suppanz

  • Concordiaplatz 1

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Bundesministerium für Bildung
    NS-Zeit: Gerichtsherren-Standort
    Baujahr
    1881
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft wurde 1880/81 zeitgleich mit dem Concordiaplatz selbst nach Plänen des k. k. Architekten Wilhelm Stiassny bebaut und stand lange Zeit im Grundbesitz. Spätestens 1943 wurde das Gebäude vom Kommando der Panzertruppe XVII bezogen. Dessen Kommandeur war gleichzeitig „Gerichtsherr“ der Militärjustiz mit Bezug auf seine Einheit und ihre untergeordneten Gliederungen. Damit diente das Gebäude Zwecken der NS-Militärjustiz und der deutschen Kriegsführung. Nach 1945 nützten mehrere Ministerien der Zweiten Republik die Liegenschaft. Heute wird das Gebäude der ARE vom Bundesministerium für Bildung verwendet. Seit 2024 weist eine Gedenktafel auf den „Gerichtsherren-Standort der Wehrmachtsjustiz“ hin.

    Werner Suppanz

  • Deutschmeisterplatz 3

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Polizeikommissariat Innere Stadt
    NS-Zeit: Abteilung III Polizeipräsidium Wien
    Baujahr
    1875
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1874/75 nach Plänen des Architekten Julius Dörfel errichtete Gebäude stand bereits im 19. Jahrhundert in Verwendung durch das Kriegsministerium beziehungsweise später durch Polizeibehörden. In der NS-Zeit befand sich an dieser Adresse die Abteilung III des Polizeipräsidiums von Wien. In der Zweiten Republik blieb die Kontinuität als Ort polizeilicher Behörden aufrecht. Gegenwärtig ist am Deutschmeisterplatz 3 das Stadtpolizeikommando Innere Stadt der Landespolizeidirektion Wien.

    Werner Suppanz

  • Dr.-Karl-Renner-Ring 1

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Palais Epstein
    Heute:    Österreichisches Parlament
    NS-Zeit: Reichsbauamt Wien
    Baujahr
    1870
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Charakteristisch ist die wechselvolle Geschichte des repräsentativen Ringstraßenpalais. Bereits 1876 aus finanziellen Gründen von Gustav Ritter von Epstein verkauft, diente es unternehmerischen und administrativen Zwecken. Dazu gehörte während der NS-Zeit der Sitz des Reichsbauamtes Wien von 1938 bis 1945, die unter anderem mit dem Bau von Luftschutzbunkern sowie mit der Umstrukturierung des Bildungs- und Erziehungswesens nach NS-Vorgaben (NAPOLAs) betraut war. Danach residierte hier die sowjetische Stadtkommandantur von 1945 bis 1955. Das Gebäude wurde 1998 von der BIG angekauft und wird seither vom Parlament genutzt. Eine permanente Verwendung besteht in der Verwendung als Demokratiewerkstatt für Workshops für Kinder, Jugendliche und Lehrlinge.

    Werner Suppanz

  • Fichtegasse 11

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Arbeitsinspektorat Wien Zentrum
    NS-Zeit: Neues Wiener Tagblatt
    Baujahr
    1869
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In der Fichtegasse 11 befand sich seit der Errichtung des Gebäudes 1869 die „Neue Freie Presse“, eine international anerkannte liberale österreichische Zeitung. Während der Kanzlerdiktatur wurde diese von der Regierung Schuschniggs gestützt. Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde auch diese Zeitung dem NS-System „gleichgeschaltet“ und „nazifiziert“, nur um ein Jahr darauf mit dem „Neuen Wiener Tagblatt“ zusammengelegt und dadurch de facto aufgelöst zu werden. Mit Kriegsende zog das Arbeitsinspektorat in dieses Objekt ein, wo es sich bis heute befindet.

    Mathias Egger

  • Hansenstraße 4-6

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Büros des Oberlandesgerichts Wien
    NS-Zeit: Büros und Privatwohnungen
    Baujahr
    1872
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das in der ehemaligen Amalienstraße gelegene Gebäude mit der heutigen Adresse Hansenstraße 4–6 wurde 1870–1872 erbaut. Es beherbergte seitdem Privatpersonen, Einkaufsläden und auch Geschäftssitze. Mit dem „Anschluss“ Österreichs wurden jüdische Personen ihrer Wohnungen enteignet, Geschäfte für die „Vermögensverkehrsstelle“ abgewickelt und ganze Firmen „arisiert“. Die Nachwirkungen dieser Enteignungen wirken bis heute nach, wie in der Debatte um die Rolle Franz Dinghofers in der „Arisierung“ der KAMIG.

    Mathias Egger

  • Herrengasse 23

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Palais Porcia
    Heute:    Administrative Bibliothek des Bundes
    NS-Zeit: Verwaltungsbibliothek des Reichsstatthalters
    Baujahr
    1753
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In der heutigen Herrengasse 23 befanden sich bis ins 16. Jahrhundert zwei Häuser, die im Jahr 1535 zusammengelegt wurden. Namensgeber des „Porciapalais“ ist Johann Fürst von Porcia, der das Gebäude 1667 übernahm. Seit 1750 ist es im Besitz des Staates, in den Räumlichkeiten wurde die bis heute bestehende Administrative Bibliothek des Bundeskanzleramts untergebracht. 1942 übernahm das „Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung“ (REM) die Liegenschaft, die Administrative wurde zur „Verwaltungsbibliothek“. Nach dem Krieg gelangte das Gebäude wieder in Besitz der Republik Österreich, bis heute findet sich hier die Administrative Bibliothek.

    Mathias Egger

  • Himmelpfortgasse 9

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Bundesministerium für Finanzen
    NS-Zeit: Geschäfte und Privatwohnungen
    Baujahr
    1700
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Himmelpfortgasse 9 diente ursprünglich als Unterkunft für die Kapläne des Himmelpfortklosters, bis dieses 1783 aufgelöst und das Gebäude weiterverkauft wurde. In den 1920er und 30er Jahren beherbergte diese Liegenschaft verschiedene, mitunter jüdisch-betriebene Geschäfte. Die Nationalsozialisten enteigneten die jüdischen Hausanteilsbesitzer, die jüdischen Geschäfte wurden „arisiert“. Seit 1973 befindet sich hier ein Finanzamt.

    Mathias Egger

  • Josefsplatz 6

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Palais Pálffy
    Heute:    Palais Pálffy Kultur & Events GmbH
    NS-Zeit: Reichsdeutsche Musikvereine
    Baujahr
    1840
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Noch bevor es den Josefsplatz überhaupt gab, existierte an der Stelle des heutigen „Palais Pálffy“ das Haus des Grafen von Maidburg. 1573 kam es in Besitz des Fürsten von Khuen-Belassy, durch seine Enkelin gelangte es schließlich in den Besitz der adeligen Familie Pálffy, deren Namen es noch heute trägt. Bekannt ist das Haus vor allem wegen des Figarosaals, in dem Mozart noch vor der Uraufführung das namensgebende Stück im privaten Kreis vorstellte. Während der NS-Zeit wurde dieser Saal propagandistisch für „reichsdeutsche Austauschkonzerte“ oder die „Feierabendstunden der NSDAP“ genutzt. Heute ist das Palais für Konzerte und Events mietbar.

    Mathias Egger

  • Nibelungengasse 10-12

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Büroräumlichkeiten des Sozialministeriums
    NS-Zeit: Versorgungsamt
    Baujahr
    1864
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In der Nibelungengasse 10–12 befinden sich zwei Häuser, 1864 und 1896 errichtet. Unterschiedliche Vereine, wie der „Alpenverein“ oder die „Kinderschutz und Jugendfürsorge Zentralstelle“ hatten hier ihren Sitz. Während der NS-Zeit war in diesem Objekt das „Versorgungsamt“ untergebracht, das sich um „ehemalige Berufsmilitärpersonen“ und um „die Kämpfer für die nationale Erhebung“ kümmerte. Nach Kriegsende gab es hier ein „Landesinvalidenamt“. Später wurde dieses in „Landesinvalidenamt für Wien und Niederösterreich“ umbenannt. Im selben Gebäude befindet sich heute beim Eingang Babenbergerstraße 5 eine Stelle des Sozialministeriums.

    Mathias Egger

  • Renngasse 5

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Botschaft von Mexiko in Österreich
    NS-Zeit: Wehrkreiskommando XVII und Reichsarbeitsdienst
    Baujahr
    1875
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Im 1875 errichteten Gebäude in der Renngasse 5 war seit 1905 der „Pensionsfond der Länderbank“ untergebracht. In den 1930er Jahren hatten hier mehrere Unternehmen ihren Sitz, beispielsweise das „Rübenbüro der Hirm-Siegendorfer Zuckerfabriken“. In der NS-Zeit waren das „Wehrkreiskommando XVII“ sowie eine Abteilung des „Reichsarbeitsdiensts“ untergebracht. Gegen Kriegsende von Bomben getroffen, wurde das Gebäude in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut und diente dem „Produktivitätszentrum“ als Sitz. Heute befindet sich hier die Botschaft von Mexiko.

    Mathias Egger

  • Wollzeile 1-3

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Büros und Lokale
    NS-Zeit: Mercurbank / Länderbank
    Baujahr
    1846
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Der Grund in der heutigen Wollzeile 1–3, gelegen im Herzen Wiens, ist tief in der Geschichte der Stadt verwurzelt. Hinweise auf den „Kleinen Federlhof“ gibt es schon seit dem 14. Jahrhundert, berühmtester Bewohner war wohl Johann Christoph von Bartenstein (1689–1767), enger Berater und Lehrer der Habsburger Kaiser und Kaiserin. 1909 zog in das Gebäude die Mercurbank ein, die in den 1930er-Jahren über ihren Mehrheitsaktionär, die Dresdner Bank, eng mit den Nationalsozialisten kooperierte und 1938 mit der Länderbank zusammengeschlossen wurde. Diese verwaltete die geraubten jüdischen Vermögen und betreute die Konten diverser NS-Institutionen. Nach dem Krieg ging sie in die staatliche Österreichische Länderbank über, die heute als UniCredit Bank Austria bekannt ist.

    Mathias Egger

  • Stubenring 12

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Identadresse: Biberstraße 14
    Heute:      Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft
    NS-Zeit: „Sammelwohnung“ für Wiener Jüdinnen und Juden
    Baujahr
    1936
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Im Gebäudekomplex Stubenring 12/Biberstraße 14 waren seit der Erbauung 1904/1905 Privatwohnungen und Geschäfte sowie eine Kunstakademie für Frauen untergebracht. In der Zeit des Nationalsozialismus gab es hier ein Zwangsarbeiterlager sowie eine „Sammelwohnung“ für Wiener Jüdinnen und Juden, in der auch die Schwestern Sigmund Freuds untergebracht waren. Das Gebäude stellte damit einen Ausgangspunkt für Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager dar. Nach dem Krieg wirkte hier Julius Raab in seiner Funktion als Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft. Heute befinden sich im Gebäudekomplex Stubenring 12/Biberstraße 14 das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie im Erdgeschoß das Möbelhaus Joka.

    Mathias Egger

  • Wipplingerstraße 28

    • 1010 Wien, Innere Stadt
    Objekt
    Heute:    Bildungsdirektion für Wien
    NS-Zeit: Krankenversicherungsanstalt
    Baujahr
    1900
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Nutzung des Areals in der heutigen Wipplingerstraße 28 reicht bis zurück in die Römerzeit, als hier der Limes stand. Im 18./19. Jahrhundert befanden sich hier ein „Militär- Verpflegungsmagazin und Bäckerei“, sowie zwei Häuser, die von Wiener Salonnieren bewohnt wurden. Die Gebäude wurden zugunsten eines „Bankpalais der Verkehrsbank“ 1883 abgerissen. Nach dem Wegfall der Bank 1927 befand sich in diesem Gebäude während der NS-Zeit und danach eine Krankenversicherungsanstalt, bis 1981 der „Landesschulrat“ – die heutige Bildungsdirektion – hier einzog.

    Mathias Egger

  • Ausstellungsstraße 44

    • 1020 Wien, Leopoldstadt
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizeikommando XV und Kriminalpolizei
    Baujahr
    1899
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude Ausstellungsstraße 44 wurde 1899 von der k.k. Dikasterialgebäude-Direktion als Unterkunft für das Bezirkspolizeikommissariat Prater errichtet. Bis etwa 1962 trug es die Evidenznummer 171. Teile des Komplexes dienen bis heute den Zwecken der Polizei. Aus den Tagen des Novemberpogroms 1938 sind konkrete Beispiele der Repression gegen die jüdische Bevölkerung bekannt, die sich im und rund um das Polizeigebäude ereigneten.

    Julia Köstenberger

  • Leopoldsgasse 18

    • 1020 Wien, Leopoldstadt
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei Gruppenkommando Ost
    Baujahr
    1912
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft kam 1903 in staatlichen Besitz. 1912 wurde darauf das späthistoristische Gebäude für das Bezirkspolizeikommissariat Leopoldstadt errichtet. Seit über 110 Jahren dient es durchgehend polizeilichen Zwecken. In der NS-Zeit war die Polizeistation in der Leopoldsgasse als Teil des Terror-Regimes an den Repressionen gegen die jüdische Bevölkerung in der Leopoldstadt beteiligt.

    Julia Köstenberger

  • Marinelligasse 8

    • 1020 Wien, Leopoldstadt
    Objekt
    Heute:    Arbeitsinspektorat Wien
    NS-Zeit: Pflanzenschutzamt Donauland
    Baujahr
    1894
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das villenartige Gebäude entstand um 1894 als Teil eines Baukomplexes für die k.k. Normal-Eichungs-Kommission nach den Plänen von k.k. Baurat Heinrich Anton Koechlin und diente deren technischem Dienst bis 1923. In der NS-Zeit hatte in der Trunnerstraße 5 (heute Marinelligasse 8) das Pflanzenschutzamt Donauland seinen Sitz, das für die kriegswichtige Aufgabe „Nahrungsfreiheit“ arbeitete. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Bundesanstalt für Pflanzenschutz das Haus (bis 1993/94). Heute ist darin das Arbeitsinspektorat Wien West-Ost untergebracht.

    Julia Köstenberger

  • Schiffamtsgasse 1-3

    • 1020 Wien, Leopoldstadt
    Objekt
    Heute:    Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen
    NS-Zeit: Amtsgericht für Strafsachen
    Baujahr
    1983
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Von 1850 bis 1945 hatte an dieser Stelle das Bezirksgericht Leopoldstadt (ab 1939 „Amtsgericht“) seinen Sitz. Ein im Jahr 1912 errichteter Neubau beherbergte auch weitere Behörden. So gab es das Strafbezirksgericht I (ab 1939 Amtsgericht für Strafsachen I) mit einem Gefängnis, das bereits 1934 zum Ort politischer Gewalt durch den Staat wurde. In der NS-Zeit wurden hier politische Gefangene sowie Jüdinnen und Juden festgehalten. Nach der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1965 dessen Einebnung. Das heutige Amtsgebäude wurde 1983 für das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen erbaut.

    Julia Köstenberger

  • Taborstraße 90-92

    • 1020 Wien, Leopoldstadt
    Objekt
    Identadressen: Trunnerstraße 1–3, Marinelligasse 2
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Bundesanstalt für Pflanzenschutz
    Baujahr
    1894
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Hauptteile des Gebäudes entstanden 1894 und 1901 mit Eingängen in der Trunnerstraße 1 und 3. Sie beherbergten lange Zeit unter verschiedenen Bezeichnungen staatliche Forschungsinstitute zur Förderung einer modernen Landwirtschaft und des Pflanzenschutzes (Landwirtschaftlich-chemische Bundesversuchsanstalt, Bundesanstalt für Pflanzenschutz). In der NS-Zeit kam es zu organisatorischen Veränderungen, und die Arbeit stand „im Dienste der Nahrungsfreiheit“. Nach einem Umbau des Gebäudes amtiert seit 2001 das Bezirksgericht Leopoldstadt in der Taborstraße 90–92.

    Julia Köstenberger

  • Hetzgasse 2

    • 1030 Wien, Landstraße
    Objekt
    Identadresse: Hintere Zollamtsstraße 13
    Heute:    Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV)
    NS-Zeit: Post- und Telegrafendirektion Wien
    Baujahr
    1903
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    An der Stelle, wo sich im 18. Jahrhundert das Hetzamphitheater befunden hatte, wurde 1903 das Amtsgebäude der Post- und Telegrafendirektion Wien errichtet. Das NS-Regime führte in dem infrastrukturell wichtigen Bereich personelle Säuberungen durch, wovon auch Präsident Richard Goldreich betroffen war. 1945 wurde das Gebäude durch Bomben zerstört. Nach dem Wiederaufbau 1951 hatten hier die Direktion der Bundesgebäudeverwaltung I und andere Ämter ihren Sitz.

    Julia Köstenberger

  • Landstraßer Gürtel / Adolf-Blamauer-Gasse

    • 1030 Wien, Landstraße
    Objekt
    Heute:    Village im Dritten
    NS-Zeit: Aspanggründe
    Baujahr
    2027
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das „Village im Dritten“ entsteht seit 2021 auf den „Aspanggründen“, sogenannt nach dem Aspangbahnhof (1880–1977). Seit 1917/18 waren auf dem Großteil der Grundstücke südlich des Aspangbahnhofs Neubauten für die Technische Hochschule geplant. Der Staat konnte das Vorhaben aus finanziellen Gründen nicht realisieren. Stattdessen entwickelte sich eine lockere Ansiedlung mit Lagerstätten, kleinen Häusern und Hütten. Das Areal befand im Besitz staatlicher Institutionen und der Gemeinde Wien und stand damit in der NS-Zeit im direkten Einflussbereich des Regimes. Eine genauere Prüfung der NS-Vergangenheit der Liegenschaften erfordert weitere Recherchen.

    Julia Köstenberger

  • Marokkanergasse 4

    • 1030 Wien, Landstraße
    Objekt
    Identadressen: Lisztstraße 5, Traungasse 10
    Heute:    Polizeiinspektion und Bildungszentrum
    NS-Zeit: Otto-Steinhäusl Kaserne
    Baujahr
    1913
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Kasernengebäude entstand 1913 als Ersatz für die „k.u.k. Heumarktkaserne“ und hieß zunächst Schwarzenbergkaserne. 1921 kam diese in die Verfügung der Polizeidirektion Wien, die das Gebäude vor allem als Polizeischulkaserne nutzte. Nach dem „Anschluss“ brachten die Nationalsozialisten die wichtige Institution sofort unter ihre Kontrolle – auch mit Verhaftungen. Die Kaserne wurde 1940 nach Otto Steinhäusl, dem ersten NS-Polizeipräsidenten Wiens, benannt. Aufgrund einer schweren Beschädigung des Gebäudes im April 1945 konnte die Marokkanerkaserne erst ab 1953 wieder von der Wiener Polizei genutzt werden.

    Julia Köstenberger

  • Vordere Zollamtsstraße 3

    • 1030 Wien, Landstraße
    Objekt
    Heute:    Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF)
    NS-Zeit: Oberfinanzpräsidium
    Baujahr
    1847
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das denkmalgeschützte Gebäude entstand 1841–1847 als Teil des Hauptzollamt-Komplexes nach Plänen von Paul Sprenger. Im Laufe der Zeit waren hier die Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und das Burgenland sowie andere Ämter untergebracht. In der NS-Zeit kam es zu personellen Säuberungen, von denen auch Präsident Alfred Becker betroffen war. Die Finanzlandesdirektion in Wien wurde als Oberfinanzpräsident reorganisiert und bildete einen wichtigen Teil der systematischen Beraubung der jüdischen Bevölkerung.

    Julia Köstenberger

  • Vordere Zollamtsstraße 5

    • 1030 Wien, Landstraße
    Objekt
    Heute:    Zollstelle Wien
    NS-Zeit: Reichsfinanzverwaltung
    Baujahr
    1898
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Amtsgebäude Vordere Zollamtsstraße 5 wurde 1897/98 nach Plänen von Alois Schuhmacher direkt neben dem Hauptzollamt-Komplex errichtet und wird bis heute für die Staatsverwaltung im Bereich Finanzen und Steuern genutzt. In der NS-Zeit befanden sich diese unter der Ägide der deutschen Reichsfinanzverwaltung. Außerdem gab es an dieser Adresse ein Lager für türkische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

    Julia Köstenberger

  • Prinz-Eugen-Straße 12

    • 1040 Wien, Wieden
    Objekt
    Heute:    Haus des Sports
    NS-Zeit: Nationalsozialistischer Reichsbund
                    für Leibesübungen
    Baujahr
    1891
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1891 im Auftrag von Franz Graf Kuenburg errichtete Palais wurde schon in den 1930er Jahren als Zentrale der „Österreichischen Turn- und Sportfront“ genutzt. Nach dem „Anschluss übernahm der spätere „Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen“ (NSRL) die Liegenschaft. Sämtliche jüdische Sportler wurden aus Sportvereinen ausgeschlossen und die eigenen Funktionäre parteipolitisch überprüft. Mit Kriegsende fiel das Gebäude unter sowjetische Verwaltung, die hier zuerst eine Schule einrichtete und das Haus später der „Freien Jugend Österreichs“ zur Verfügung stellte. Heute befindet sich hier das „Haus des Sports“.

    Mathias Egger

  • Taubstummengasse 11

    • 1040 Wien, Wieden
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei
    Baujahr
    1914
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Geschichte der Polizeiinspektion in der Taubstummengasse 11 beginnt mit der Etablierung des gleichnamigen „K.u.k. Taubstummen-Instituts“, das 1808 seinen Standort in der Straße erhielt, die seit 1816 denselben Namen trägt. Erst 1916 wurde an der Nummer 11 das Gebäude errichtet, in dem sich bis heute eine Polizeistelle finden lässt. Diese behielt folglich ihren Standort quer durch die stürmischen Zeiten des 20. Jahrhunderts, von der Monarchie in die Erste Republik, von der Kanzlerdiktatur zum „Anschluss“ und schließlich aus der Besatzungszeit bis heute.

    Mathias Egger

  • Geigergasse 5-9

    • 1050 Wien, Margareten
    Objekt
    Heute:    Privatwohnungen
    NS-Zeit: Staatliche Prothesenwerkstätte /
                    Zwangsarbeiterlager
    Baujahr
    1916
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft in der Geigergasse 5–9 ist historisch eng verknüpft mit dem Schicksal invalider Personen. Auf der Großteils unbebauten Fläche gab es ab 1936 eine „Staatliche Prothesenwerkstätte“, nach dem Weltkrieg eine Technische Fachschule für Kriegs- und Unfallversehrte und in den späten 1960er Jahren ein Institut für Orthopädietechnik. Während der NS-Zeit dürfte das Areal als Zwangsarbeiterlager verwendet worden sein.

    Mathias Egger

  • Capistrangasse 3-5

    • 1060 Wien, Mariahilf
    Objekt
    Heute:    Privatwohnungen
    NS-Zeit: Geschäftslokale und Privatwohnungen
    Baujahr
    1904
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Gebäudeanlage in der Capistrangasse 3–5 wurde um 1904 im Auftrag der Dafner-Schredt’schen Stiftung erbaut und beheimate das K. k. Blinden-Erziehungs-Institut sowie verschiedene Geschäftslokale, darunter später auch die „Werkstätte für dekorative Kunst“ von Wilhelm Bermann. Diese wurde während der NS-Zeit „arisiert“, Wilhelm Bermann und seine Frau wurden ins Ghetto Litzmannstadt deportiert. Die Ladenfront der ehemaligen Fleischerei, mit weißen Kacheln und Rinderkopf-Reliefs an der Fassade, stehen seit 2003 unter Denkmalschutz.

    Mathias Egger

  • Kopernikusgasse 1

    • 1060 Wien, Mariahilf
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei und Kriminalpolizei
    Baujahr
    1871
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Geschichte der Liegenschaft in der Kopernikusgasse 1 beginnt mit der Eröffnung der Straße 1867 und der Errichtung des Gebäudes als strenghistoristisches Zinshaus im Jahre 1871. Mit dem Anstieg des Bedürfnisses nach Sicherheit in der wachsenden Stadt wurde 1902 eine Polizeistation eingerichtet, die sich bis heute hier befindet. Vor allem in der Zeit der Ersten Republik gab es wiederholt Konfrontationen mit und Beschwerden über das Polizeikommissariat, was in der Ermordung des Polizeihauptmanns Noskos gipfelte. Während der NS-Zeit wurden die Polizeikommissariate des sechsten und siebten Bezirks in der Kopernikusgasse 1 zusammengelegt. Hier agierte die sowohl die Schutzpolizei als auch die Kriminalpolizei.

    Mathias Egger

  • Kandlgasse 4

    • 1070 Wien, Neubau
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei
    Baujahr
    1900
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Im 1900 errichteten Gebäude in der Kandlgasse 4 waren zunächst Geschäfte untergebracht, darunter die Verlagsräume der deutschnationalen, antisemitischen „Ostdeutschen Rundschau“. Seit 1911 residierte im Gebäude die Polizei. Nach dem „Anschluss“ war ein Abschnittskommando der Schutzpolizei in der Liegenschaft untergebracht, drei Gebäude von einem NS-Zwangsarbeiterlager entfernt. Nach der Befreiung Wiens 1945 wurde erneut ein Bezirkspolizeikommissariat eingerichtet, das seinen Standort bis heute hier erhalten hat.

    Mathias Egger

  • Florianigasse 8

    • 1080 Wien, Josefstadt
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: ehemaliges Hotel Hammerand
    Baujahr
    1826
    NS-zeitliche Belastung
    nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Vorgängergebäude der Liegenschaft in der Florianigasse 8 existierte bereits 1694, die Grundzüge des heutigen Gebäudes stammen aus 1826. 1870 wurde es von Erhard Hammerand in ein Hotel umgebaut, das bis in die 1930er Jahre bestand und unter anderem Albert Schweizer und Ludwik Lejzer Zamenhof, den Erfinder der Esperanto-Sprache, beherbergte. Letzterer bekam 1924 eine Gedenktafel am Gebäude, die 1938 von den Nationalsozialisten entfernt wurde. Nach dem Krieg war das Landwirtschaftsministerium hier untergebracht, es folgte ein Finanzamt und schließlich das Bezirksgericht, das bis heute hier untergebracht ist.

    Mathias Egger

  • Josefstädter Straße 39

    • 1080 Wien, Josefstadt
    Objekt
    Palais Strozzi
    Heute:    Institut für höhere Studien
    NS-Zeit: Finanzpräsidium
    Baujahr
    1699
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1699 für die Gräfin von Strozzi erbaute Gebäude in der Josefstädter Straße 39 beherbergte, nachdem seine adeligen Besitzer es dem Staat überlassen hatte, von 1841 bis 1918 ein „Zivil-Mädchen-Pensionat“. Schon in der 1. Republik nutzten es die Sozialdemokraten als Versammlungsort, ab 1934 übernahm es die „Vaterländische Front“. Mit dem „Anschluss“ 1938 kam das ehemalige Palais Strozzi in den Besitz der Nationalsozialisten, die hier ein Finanzamt einrichteten. Das nahm unter anderem die „Judenvermögensabgabe“ entgegen und verwaltete jüdischen Besitz. Nach dem Krieg blieb der Standort des Finanzamts bis 2012 erhalten, heute befindet sich hier das Institut für höhere Studien.

    Mathias Egger

  • Boltzmanngasse 20

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei
    Baujahr
    1894
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude dient seit seiner Errichtung 1894 den Zwecken der Polizei im Bezirk Alsergrund und befand sich im staatlichen Besitz. Nach dem „Anschluss“ führte das NS-Regime Umstrukturierungen und personelle Säuberungen durch, wovon hier zumindest Stadthauptmann und Staatsrat Friedrich Streitmann betroffen war. In der Zweiten Republik beherbergte das Gebäude auch ein Jugendheim der Polizei (1950 – ca. 1970) und dann ein „Institut für Polizeipraktikanten“ (1974–1989). Seit 2012 ist die ARE Austrian Real Estate GmbH Besitzerin der Liegenschaft. Heute ist neben Wohnungen und Büros in der Boltzmanngasse 20 eine Polizeiinspektion untergebracht.

    Julia Köstenberger

  • Hahngasse 6

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Büros des Bundesministeriums für Inneres
    NS-Zeit: Privatwohnungen
    Baujahr
    1896
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft gehörte ab 1898 der Ersten Preßburger Sparkasse (ab 1921 Bratislavská I. sporivá banka). Die Errichtung des bestehenden historistisch-secessionistischen Gebäudes, das als Wohn-/Mietshaus diente, erfolgte um die Jahrhundertwende. Während der NS-Zeit war die Hahngasse in Sennhofergasse umbenannt. Der Vergleich der Wiener Adressbücher von 1938 und 1942 lässt vermuten, dass einige Wohnungen „arisiert“ wurden. Das Grundstück kam über einen Kaufvertrag 1977 in das Eigentum der Republik Österreich (Bundesgebäudeverwaltung I). Die Austrian Real Estate GmbH (ARE) ist seit 2012 im Besitz der Liegenschaft. Heute befinden sich unter anderem Büros des Bundesministeriums für Inneres in der Hahngasse 6.

    Julia Köstenberger

  • Hahngasse 8-10

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Büro- und Wohngebäude
    NS-Zeit: Polizeigefangenenhaus
    Baujahr
    1896
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft war seit 1902 im Besitz der Gemeinde Wien. Sie diente zu einem Teil als Wohnhaus und zu einem anderen Teil ab 1904 als „Städtisches Gefangenhaus“. Dieses wurde im NS-Regime dem staatlichen Polizeigefangenenhaus an der Rossauer Lände angegliedert und dadurch zu einem Ort des NS-Terrors. Nach 1938 war die Hahngasse in Sennhofergasse umbenannt. Der Vergleich der Adressbücher von 1938 und 1942 lässt vermuten, dass einige Wohnungen „arisiert“ wurden. Die Liegenschaft blieb bis 1977 im Eigentum der Gemeinde Wien, bis sie über einen Tauschvertrag zur Republik Österreich kam.

    Julia Köstenberger

  • Maria-Theresien-Straße 3

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Büro- und Geschäftslokale
    NS-Zeit: Privatwohnungen
    Baujahr
    1886
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das historistische Gebäude auf dem ehemaligen Glacis ließ der jüdische Kaufmann Adolf Wechsler im Jahr 1886 errichten. 1926 erwarb es die Franco Hongroise Versicherungsgesellschaft. Nach dem „Anschluss“ 1938 wechselte der Besitz an die deutsche National Lebensversicherungs-Aktien-Gesellschaft. Zudem änderte sich die Zusammensetzung der etwa 17 Hausparteien fast vollständig. Mindestens drei Personen, die hier wohnten, wurden Opfer der Shoah. Später wurde die Republik Österreich aufgrund der Bestimmungen des Staatsvertrages Eigentümerin des Gebäudes, das seit 1973 teilweise von der Universität Wien genutzt wird. Seit 2000 steht das Haus unter Denkmalschutz.

    Julia Köstenberger

  • Nußdorfer Straße 23

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Integrationswohnheim
    NS-Zeit: Finanzpräsidium
    Baujahr
    1872
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude entstand im Jahr 1872 im Vorfeld der Wiener Weltausstellung als „Hotel Union“. Hier fanden auch viele Veranstaltungen statt, wie 1891 der zweite Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie. 1938 verkauften die Besitzer die Liegenschaft freiwillig an das „Deutsche Reich“. Als Finanzamt wurde das Haus Ort bürokratischer Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung. Als „Deutsches Eigentum“ ging das Gebäude nach 1955 in den Besitz der Republik Österreich über. Es diente bis 1989 als Finanzamt und fungiert seit 1990 als Unterkunft für Geflüchtete.

    Julia Köstenberger

  • Währinger Straße 33-35

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Identadresse: Sensengasse 10
    Heute:    Hotel Atlanta
    NS-Zeit: Sammelwohnungen für Jüdinnen und Juden
    Baujahr
    1895
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude aus dem Jahr 1895 gehörte ab 1920 dem Norweger Harald Stange beziehungsweise ab 1962 dessen Erben bis nach 1980. Seit 1906 ist hier das noch heute existierende „Hotel Atlanta“ untergebracht. In der NS-Zeit kam es höchstwahrscheinlich zu „Arisierungen“ von Firmen, die an dieser Adresse ihren Sitz hatten. Von 1938 bis 1941 wurden Jüdinnen und Juden im Haus einquartiert, mindestens 25 von ihnen starben in der Shoah. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die US-Amerikanische Besatzungsmacht das Hotel für Offiziere.

    Julia Köstenberger

  • Wasagasse 22

    • 1090 Wien, Alsergrund
    Objekt
    Heute:    Landeskriminalamt
    NS-Zeit: Büros und Privatwohnungen
    Baujahr
    1831
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Von 1912/13 bis 1974 war in dem Gebäude eine Papierwarenfabrik untergebracht, die auf den jüdischen Fabrikanten Simon Korani zurückging. In der NS-Zeit kam es zur „Arisierung“ der Liegenschaft und des Unternehmens, vermutlich wurden auch einige Hausbewohner vertrieben. 1948 folgte die Rückstellung an die rechtmäßigen Besitzer Fritz Fuchs und Rosa Willheim. Nach der Verlegung des Betriebs nach Wien-Floridsdorf kaufte 1974 die Republik Österreich das Gebäude. Bis 1981 hatte die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) hier ihre Büros, danach zog unter anderem die Wirtschaftspolizei ein.

    Julia Köstenberger

  • Emil-Behring-Weg (Wohnquartier Wildgarten)

    • 1120 Wien, Meidling
    Objekt
    Heute:    Wohnquartier Wildgarten
    NS-Zeit: Nationalsozialistische Volkswohlfahrt /
                    Schweinezuchtanstalt
    Baujahr
    1939
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die drei denkmalgeschützten Gebäude im „Wohnquartier Wildgarten“ entstanden als Bestandteile (Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude) einer Schweinezuchtanstalt, welche die Stadt Wien als NS-Großprojekt errichtete. Die Anlage wurde dem Ernährungshilfswerk der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt überlassen. Um 1952 bezog die Bundesanstalt für Virusseuchenbekämpfung bei Haustieren das elf Hektar große Gelände. Nach dem Jahr 2000 wurde es zum Stadtentwicklungsgebiet, auf dem ab 2017 das „Wohnquartier Wildgarten“ gebaut wurde.

    Julia Köstenberger

  • Linzer Straße 429

    • 1140 Wien, Penzing
    Objekt
    Heute:    Europahaus
    NS-Zeit: Erholungsheim der Kriminalpolizei
    Baujahr
    1750
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das barocke Schloss aus dem Jahr 1750 in der Linzer Straße hatte im Laufe seiner Geschichte mehrere Namen und Funktionen: Zuerst war es als „Jagschloss Esterházy“ bekannt, bis es 1894 der Großindustrielle Heinrich von Miller zu Aichholz erwarb und es die Bezeichnung „Schloss Miller-Aichholz“ erhielt. 1938 kaufte die NS-Kriminalpolizei das Gebäude, um es als Erholungsheim für ihre Beamten zu nutzen. Nach dem Krieg befand sich hier das „Generalsekretariat des französischen Oberkommandos“, mit dem Staatsvertrag übernahm die Republik das Gebäude. Seit 1956 nutzt es die Österreichische Jungarbeiterbewegung als „Europahaus“.

    Mathias Egger

  • Hauptstraße 7, Mariabrunn

    • 1140 Wien, Penzing
    Objekt
    Kloster Mariabrunn
    Heute:    Arboretum Mariabrunn
    NS-Zeit: Forstliche Versuchsanstalt
    Baujahr
    1645
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1645 errichtete Augustiner-Kloster der Augustiner-Barfüßer beherbergte nach seiner Weihe 1655 die Ordensbrüder bis 1829, als die „Forstakademie“ das Gebäude übernahm. 1877 wurde hier die „K.k. Forstliche Versuchsanstalt Mariabrunn“ eingerichtet, die im Laufe der nächsten 100 Jahre in diesem Gebäude forstliche Forschungen durchführte. Während des Ersten Weltkriegs nahm man im ehemaligen Kloster verwundete Soldaten auf. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sollte es zur Festung gegen die anrückende Rote Armee umfunktioniert werden, was jedoch nicht umgesetzt wurde. Nach schweren Bombentreffern wurde der Standort aufgegeben. Erst 1994 wurde die Sanierung abgeschlossen und ein forstwissenschaftliches Museum eingerichtet.

    Mathias Egger

  • Tannengasse 6-10

    • 1150 Wien, Rudolfsheim-Fünfhaus
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei-Abschnittskommando X
    Baujahr
    1888
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1888 errichtete Gebäude in der Tannengasse 6–10 dient schon seit über einem Jahrhundert als Polizeistation, von der „k.k. Sicherheitswache“ bis zur Polizeiinspektion heute. Nach der Übernahme der Nationalsozialisten wurde auch die Polizei neuorganisiert, in der Tannengasse gab es zu dieser Zeit ein Polizeiamt, das „Schutzpolizei-Abschnittskommando X“ und eine Kriminalpolizeiliche Dienststelle. Heute befindet sich eine Polizeiinspektion sowie ein Personalarchiv der Polizei in der Tannengasse 6–10.

    Mathias Egger

  • Rötzergasse 24-26

    • 1170 Wien, Hernals
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei-Abschnittskommando XII
    Baujahr
    1898
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In dem 1898 erbauten Gebäude in der Rötzergasse 24–26 befand sich bereits um die Jahrhundertwende ein Bezirks-Polizeikommissariat. Wenige Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde das Polizeikommissariat Hernals aufgelöst, beziehungsweise mit dem aus dem 18. Bezirk in der Schulgasse 88 zusammengelegt. Trotzdem verschwand die Polizei nicht gänzlich aus dem Gebäude in der Rötzergasse 24–26, denn das „Schutzpolizei-Abschnittskommando XII: Hernals“ wurde hier eingerichtet. Mit der Befreiung Österreichs wurde auch diese NS-Behörde aufgelöst, im Jahr 1949 gab es hier wieder ein österreichisches Bezirkspolizeikommissariat. Bis heute befindet sich in der Rötzergasse 24-26 eine Polizeiinspektion.

    Mathias Egger

  • Schulgasse 88

    • 1180 Wien, Währing
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Schutzpolizei-Gruppenkommando West
    Baujahr
    1906
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    In das 1906 errichtete Gebäude in der Schulgasse 88 zogen gleich nach seiner Fertigstellung das Polizeikommissariat Währing sowie die Steuerkommission für den 18. und 19. Bezirk ein. Als nach dem „Anschluss“ Österreichs auch die Polizei dem NS-Staat unterstellt und umstrukturiert wurde, bedeutete das für die Polizeiinspektion in der Schulgasse noch im Jahr 1938 die Zusammenlegung mit dem Revier des 17. Bezirks unter Beibehaltung des Standorts in der Schulgasse 88. Im Polizeiamt Währing, wie es nun hieß, war neben der Station auch das Schutzpolizei-Gruppenkommando West untergebracht, das den 10. bis 13. Bezirk verwaltete. Ab 1941 beherbergte das Gebäude zudem das Polizeiamt Döbling. Nach dem „Anschluss“ wurde hier ein Polizist, der für disziplinäre Angelegenheiten zuständig war, von der SS verhaftet und mit dem „Prominententransport“ ins KZ Dachau gebracht. Er kehrte 1940 zurück und betätigte sich im Widerstand. Mit Kriegsende nahm er seinen Dienst wieder auf und wurde Vorsitzender der Disziplinarkommission. Bis heute befindet sich an diesem Standort eine Polizeiinspektion.

    Mathias Egger

  • Hohe Warte 32

    • 1190 Wien, Döbling
    Objekt
    Heute:    Polizeikommissariat
    NS-Zeit: Israelitisches Blindeninstitut
    Baujahr
    1895
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude in der Hohen Warte 32 wurde 1872 als „Israelitisches Blindeninstitut“ errichtet, das unter der Leitung Ludwig August Frankls stand. Blinde jüdische Kinder und Jugendliche wurden hier zu selbstbestimmten Bürgerinnen und Bürgern erzogen. Mit dem „Anschluss“ 1938 wurde das Institut sukzessive aufgelöst. Die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen wurden ab 1941 in Ghettos und Vernichtungslager deportiert, insbesondere ins KZ Theresienstadt. 1942 erfolgte die vollständige Räumung des Areals. Nach dem Krieg zog das Polizeikommissariat Döbling hier ein, das sich bis heute an dieser Stelle befindet.

    Mathias Egger

  • Denisgasse 31

    • 1200 Wien, Brigittenau
    Objekt
    Heute:    Bundesministerium für Finanzen
    NS-Zeit: Ostmärkische Zeltefabrik
    Baujahr
    1914
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die Liegenschaft Denisgasse 31 war lange Zeit als Gartenfläche mit dem benachbarten Grundstück Denisgasse 33 eng verbunden, auf dem im Jahr 1914 der Mitbegründer der Firma Ankerbrot Heinrich Mendl das „Josefine Mendl-Wohlfahrtshaus“ errichten ließ. Beide Liegenschaften gehörten in der Zwischenkriegszeit Stefan Mendl. Sie wurden 1938 „arisiert“ und für die „Ostmärkische Säcke-, Plachen- und Zeltefabrik Josef Flatz“ genutzt. Nach der Restitution verkaufte Stefan Mendl die Liegenschaften. Etwas später, im Jahr 1957, erwarb diese die Republik Österreich. Das Gebäude, das heute an der Adresse steht, wurde ca. in den 1980/90er Jahren erbaut.

    Julia Köstenberger

  • Pappenheimgasse 33

    • 1200 Wien, Brigittenau
    Objekt
    Heute:    Polizeikommissariat
    NS-Zeit: Polizeiamt und Schutzpolizei
    Baujahr
    1908
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Gebäude Pappenheimgasse 33 wurde im Jahr 1908 von der k.k. Dikasterialgebäude-Direktion als neues Bezirkspolizeikommissariat Brigittenau mit Kaserne errichtet. Es dient seitdem durchgehend bis heute den Zwecken der Polizei im Bezirk Brigittenau. Aus den Tagen des „Anschlusses“ und des Novemberpogroms 1938 sind konkrete Beispiele der Repression gegen die jüdische Bevölkerung bekannt, die sich im Polizeigebäude ereigneten. Seit 2002 ist das hier untergebrachte Polizeikommissariat Brigittenau als Stadtpolizeikommando auch für die Leopoldstadt zuständig.

    Julia Köstenberger

  • Schloßstraße 7

    • 2320 Schwechat
    Objekt
    Heute:    Justiz-Bildungszentrum
    NS-Zeit: Gauführerschule
    Baujahr
    1902
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Nach dem „Anschluss“ 1938 richtete die Deutsche Arbeitsfront im Schloss Altkettenhof die erste Gauführerschule der „Ostmark“ ein. 1942 wurde die Schule in ein Lazarett umgewandelt. Ab 1945 nutzte die Sowjetische Armee das Schloss als Stabsquartier und Kaserne. Nach 1955 kam das Gebäude in den Besitz der Gemeinde Schwechat und später des Bundes. Zunächst als Flüchtlingsunterkunft genutzt, diente es anschließend als Verkehrsamt. Heute sind im Schloss das Justiz-Bildungszentrum sowie das Bezirksgericht Schwechat untergebracht.

    Lukas Schretter

  • Hilmteichstraße 104

    • 8010 Graz
    Objekt
    Heute:    Gästehaus der TU Graz
    NS-Zeit: Villa Attems / Leechwald Villa
    Baujahr
    1869
    NS-zeitliche Belastung
    nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht belastet
    Kurzbeschreibung
    Die seit 1981 unter Denkmalschutz stehende Leechwald-Villa beziehungsweise Villa Attems wurde 1869 von Heinrich Graf Attems erbaut. 1907 wurde die Villa für 400.000 Kronen von der Gemeindesparkasse in Graz gekauft, Graf Attems blieb bis 1909 als Mieter darin wohnhaft. 1941 wurde das Eigentumsrecht der Leechwald-Villa für die „Stadt der Volkserhebung Graz“ einverleibt. In dieser Zeit lebte das Ehepaar Camillo und Elisabeth Jordis von Lohausen in der Villa, beide starben im Jahr 1944 innerhalb von zwei Wochen unter nicht geklärten Umständen. Nach 1945 wohnten in der Leechwald-Villa Mietparteien. Seit 2001 dient sie als Gästehaus der TU Graz.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Paulustorgasse 8, 10, 12 / Parking 4

    • 8010 Graz
    Objekt
    Palais Wildenstein
    Heute:    Bundespolizeidirektion Graz
    NS-Zeit: Gestapo Graz
    Baujahr
    1602
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Beim „Anschluss“ Österreichs an das Deutsch Reich im März 1938 besetzte die Grazer SA und SS die Polizeidirektion am Paulustor, es setzte eine umfangreiche „Säuberung“ in der Exekutive ein. Die Sicherheitsdirektion für Steiermark wurde zur Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle Graz umgewandelt. Die Gestapo Graz wurde im Gebäude Parkring 4 untergebracht, wo Folter, Misshandlungen, Erzwingen von Geständnissen und Schikanen aller Art an der Tagesordnung waren. Von 1938 bis 1945 wurden im Gefangenenhaus beim Paulustor insgesamt über 46.000 Personen eingeliefert, mehr als die Hälfte von ihnen waren politische Häftlinge. Die Gestapo Graz war außerdem entscheidend bei der Vertreibung steirischer Jüdinnen und Juden beteiligt und an den Zwangsverbringungen in Konzentrationslager.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Paulustorgasse 15

    • 8010 Graz
    Objekt
    Heute:    Justizanstalt Graz-Jakomini – Außenstelle
    NS-Zeit: Amtsgericht Graz
    Baujahr
    1578
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Im 1578 errichteten, heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude mit der Adresse Paulustorgasse 15 (auch Palmburg genannt) war ab 1912 das Bezirksgericht für Strafsachen Graz untergebracht. Das Bezirksgericht für Strafsachen war nach dem autoritären Schwenk der Regierung Dollfuß 1933 in die staatliche Bekämpfung politischer Gegner voll eingebunden. Nach der mit 1. Mai 1939 umgesetzten gerichtlichen Neuorganisation wurden im Standort Paulustorgasse 15 des Amtsgerichts Graz Strafsachen verhandelt. 1941 mietete die Gestapo Graz im Amtsgericht zwei Zellen an, da das eigene Polizeigefängnis überfüllt war. Im Jänner 1945 übersiedelte die Strafabteilung des Amtsgerichts Graz von der Palmburg in das Gerichtsgebäude Conrad-von-Hötzendorf-Straße 41. In der britischen Besatzungszeit tagte der Summary Court im Gebäude des nun wieder Bezirksgericht für Strafsachen Graz genannten Gerichts in der Paulustorgasse. Heute befindet sich in der Paulustorgasse 15 eine Außenstelle der Justizanstalt Graz-Jakomini.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Marburger Kai 49

    • 8010 Graz
    Objekt
    Identadresse: Nelkengasse 2
    Heute:    Oberlandesgericht Graz
    NS-Zeit: Oberlandesgericht / Erbgesundheitsobergericht
    Baujahr
    1894
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Der ehemalige „Civil-Justizpalast“ wurde 1889 bis 1894 nach den Plänen Alexander von Wielemans erbaut und 1895 unter Anwesenheit von Kaiser Franz Josef I. feierlich eröffnet. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde der Präsident des Oberlandesgerichts Graz, Dr. Theobald König, von Dr. Friedrich Meldt abgelöst. Mit 1. Oktober 1944 nahm in Graz ein eigener Senat für Hoch- und Landesverratssachen seine Arbeit auf, insgesamt wurden über 100 Personen in den letzten Monaten der NS-Herrschaft wegen Hoch- und Landesverrats beziehungsweise wegen Fällen nach der Kriegssonderstrafrechtsverordnung angeklagt. Mindestens 15 Personen wurden dabei zum Tode verurteilt. Das beim Oberlandesgericht Graz tätige Erbgesundheitsobergericht war dem Erbgesundheitsgericht Graz, das allein 1940 in über 100 Fällen über Zwangssterilisationen entschied, übergeordnet. Nach einem im Dezember 1944 erlittenen Bombenschaden wurde das Oberlandesgericht Graz bis 1947 in die Paulustorgasse 15 verlegt. 1946 bis 1949 wurde der Justizpalast nach alten Plänen „detailgenau“ wieder aufgebaut.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Radetzkystraße 27

    • 8011 Graz
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht Graz-Ost
    NS-Zeit: 1. Dienststelle Amtsgericht Graz
    Baujahr
    1911
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    1909 erwarb der k.k. Aerar das Haus und den Baugrund von Dr. Gustav Ohmeyer in der Radetzkystraße 27. Auf diesem Areal wurde 1910 und 1911 das neue Amtsgebäude für das k.k. Bezirksgericht Graz und Graz-Umgebung errichtet. Mit 1. Mai 1939, also nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, kam es zu einer gerichtlichen Neuorganisation der seit August 1938 Amtsgerichte genannten Bezirksgerichte in Graz. Das Amtsgericht in der Radetzkystraße wurde zur „1. Dienststelle“ des Amtsgerichts Graz und war u. a. zuständig für die freiwillige Gerichtsbarkeit und Zwangsvollstreckung. Es war etwa an der bürokratischen „Arisierung“ des Hauses Beethovenstraße 22 in Graz beteiligt, das dem ehemaligen Generaldirektor der Weitzer Maschinen- und Waggonfabrik Graz, Ing. Arthur Schermer, gehört hatte. Das Amtsgericht übernahm auch die nachträgliche Legitimierung von erzwungenen Unterbringungen in „Gau-Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke“, indem es rechtkräftige Entmündigungen aussprach. 1966/67 wurde das Gebäude umgebaut und aufgestockt.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Schubertstraße 73

    • 8010 Graz
    Objekt
    Villa Hold
    Heute:    Landeskonservatorat für Steiermark
    NS-Zeit: Deutsche Reichspost
    Baujahr
    1890
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Die unter Denkmalschutz stehende Villa in der Schubertstraße 73, genannt Villa Hold, wurde 1890 im Auftrag des Brauereibesitzers Alexander Hold errichtet und gelangte im Jahr 1931 in den Besitz von Erna Sutter. Die Villa wurde am 14. November 1938 der Deutschen Reichspost zu einem Kaufpreis von 166.000 Reichsmark einverleibt. 1954 reichte Sutter einen Rückstellungsantrag bei der Rückstellungskommission beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz ein mit der Begründung, sie sei zu einem Verkauf der Liegenschaft mit zu niedrigem Preis gezwungen worden. Im daraufhin eingeleiteten Verfahren, das mit einem Vergleich endete, wurde festgestellt, dass Sutter illegale Nationalsozialistin gewesen war. Im Jahr 1956 ging die Villa in das Eigentumsrecht der Republik Österreich über. Seit 1994 hat das Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Steiermark, seinen Amtssitz in der Villa.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Conrad-von-Hötzendorf-Straße 14-18

    • 8018 Graz
    Objekt
    Heute:    Finanzamt
    NS-Zeit: Oberfinanzpräsidium
    Baujahr
    1904
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Auf dem 1897 erworbenen Baugrund in der Jakominigasse (spätere Adresse: Conrad-von-Hötzendorf-Straße 14–18) wurde von 1901 bis 1904 nach den Plänen von Emil Ritter von Förster das k.k. Finanz-Central-Gebäude erbaut. Wenige Tage nach dem „Anschluss“ 1938 wurde die Leitung der Finanzlandesdirektion Graz, die seit November 1935 Dr. Eduard Weiser inne hatte, mit Dr. Max Holtei neu besetzt. Die Finanzlandesdirektion Graz, die im Juni 1938 zur Behörde des Oberfinanzpräsidenten wurde, war eine treibende Kraft bei dem bürokratisch abgehandelten Prozess der „Arisierung“ von als „jüdisch“ eingestuften Vermögen. Der Oberfinanzpräsident Graz war in seinem Sprengel auch verantwortlich für die „Verwaltung und Verwertung der zugunsten des Deutschen Reiches eingezogenen Vermögen staats- und volksfeindlicher Eigentümer“ – dies betraf zuweilen aber auch als „arisch“ betrachtete Personen, wie etwa Max von Hohenberg und dessen Besitz in Eisenerz-Radmer. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurde die nun wieder Finanzlandesdirektion Graz genannte Behörde dem unmittelbaren Kontrollbereich der englischen Militärregierung unterstellt. Seit 2010 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Radmannsdorfgasse 22

    • 8160 Weiz
    Objekt
    Schloss Radmannsdorf
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1565
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1565 auf Veranlassung Ottos VI. von Radmannsdorf erbaute und heute unter Denkmalschutz stehende Schloss beherbergt seit 1851 das Bezirksgericht und das Grundbuchamt. Zwischen 1869 und 1963 war das Schloss auch Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Ab 1933 wurden zahlreiche politische Gegner des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes im Bezirksgericht Weiz arretiert. Es ist belegt, dass in der NS-Zeit das nun Amtsgericht Weiz genannte Gericht Ausgangspunkt einer später durchgeführten Deportation in das KZ Dachau war. Dokumentiert ist auch die gerichtliche Verfolgung der „Zigeuner“ in Weiz. 1983 bis 1985 erfolgte eine Gesamtrenovierung, 2014 kam es durch die Auflassung des Bezirksgerichts Gleisdorf zu einer beträchtlichen Sprengelerweiterung des Weizer Bezirksgerichts.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Grazer Straße 1

    • 8200 Gleisdorf
    Objekt
    Piaristenkloster
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1747
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das von 1745 bis 1747 erbaute Klostergebäude, in dem bis 1824 Piaristen ansässig waren, wurde 1850 von der Marktgemeinde Gleisdorf adaptiert und darin das k.k. Bezirksgericht sowie das Grundbuchs- und Steueramt untergebracht. Das nach dem „Anschluss“ 1938 als Amtsgericht Gleisdorf bezeichnete Gericht war ein bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Neben zahlreichen politisch motivierten Inhaftierungen ist auch die gerichtliche Verfolgung der „Zigeuner“ in Gleisdorf dokumentiert. Mit 1. Juli 2014 wurde das seit 1945 wieder Bezirksgericht Gleisdorf genannte Gericht geschlossen. 2016 und 2017 wurden Asylsuchende in diesem denkmalgeschützten Haus untergebracht. 2020 wurde das ehemalige Gerichtsgebäude verkauft.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Schillerstraße 9

    • 8280 Fürstenfeld
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Reichsarbeitsdienst
    Baujahr
    1924
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Ab 1924 befand sich auf der Liegenschaft mit der heutigen Adresse Schillerstraße 9 ein Kaffeehaus. Auf Basis des Kaufertrages vom 24. beziehungsweise 28. März 1939 wurde das Eigentumsrecht der Liegenschaft Schillerstraße 9 für den „Reichsfiskus (Heer)“ einverleibt. In der NS-Zeit befand sich in der Schillerstraße 9 das Meldeamt 324 für den Reichsarbeitsdienst (RAD). Das Eigentumsrecht der Liegenschaft Schillerstraße 9 wurde mit 13. Dezember 1956 der Bundesgebäudeverwaltung einverleibt. Das Gebäude wurde 2003 saniert und zuletzt zwischen 2014 und 2015 umfassend renoviert.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Ringstraße 29

    • 8330 Feldbach
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1885
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Bezirksgericht Feldbach, das seit September 1885 im Gebäude mit der heutigen Adresse Ringstraße 29 untergebracht ist, war ab 1933 in die staatliche Bekämpfung politischer Gegner – Anhänger und Anhängerinnen der NSDAP, aber auch der KP und der SDAP – voll eingebunden. Im August 1938 wurde das Bezirksgericht Feldbach zum Amtsgericht und war bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Neben zahlreichen politisch motivierten Inhaftierungen ist auch die gerichtliche Verfolgung der „Zigeuner“ in Feldbach dokumentiert. Im amtsgerichtlichen Gefängnis, in dem durchschnittlich 22 bis 25 Personen arretiert waren, herrschten teils katastrophale hygienische Zustände. Nach 1945 erweiterte beziehungsweise änderte sich der Sprengel des wieder Bezirksgericht Feldbach genannten Gerichtes mehrmals. 2006 wurde das Gerichtsgebäude unter Denkmalschutz gestellt.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Kadagasse 8

    • 8430 Leibnitz
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1927
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1927 in der Kadagasse 8 neueröffnete Bezirksgericht Leibniz war nach dem autoritären Schwenk der Regierung Dollfuß 1933 in die staatliche Bekämpfung politischer Gegner voll eingebunden. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde der Gerichtsvorsteher des Bezirksgerichts verhaftet und vom Dienst enthoben. Das ab August 1938 als Amtsgericht Leibnitz bezeichnete Gericht war ein bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Ab 1940 gibt es Berichte über katastrophale hygienische Zustände im Gefangenenhaus des Amtsgerichts Leibnitz. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurden im wieder Bezirksgericht Leibnitz bezeichneten Gericht ehemalige Funktionäre der NSDAP interniert. Am 18. Juni 1945 wurde im Auftrag der OZNA 25 Personen aus dem Bezirksgericht verschleppt, von denen fünf in einem später gefundenen Massengrab im sog. Karwald identifiziert werden konnten.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Grazertorplatz 15

    • 8490 Bad Radkersburg
    Objekt
    Heute:    Finanzamt
    NS-Zeit: Sparkasse
    Baujahr
    1896
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Am 14. November 1896 fand die Eröffnung der Sparkasse im neu errichteten Standort mit der Adresse Grazertorplatz 15 statt, auch ein Casino wurde hier untergebracht. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 kam es mehrmals zu personellen Umbesetzungen in der Sparkassenbelegschaft. Der Festsaal im Sparkassengebäude wurde in der NS-Zeit häufig von der NSDAP und ihren Gliederungen für Versammlungen und verschiedene Veranstaltungen genutzt. Nach der militärischen Niederwerfung Jugoslawiens 1941 wurden die Gemeindesparkassen von Luttenburg (Ljutomer) und Oberradkersburg (Gornja Radgona) an die Sparkasse Radkersburg überführt. 1942 wurde der nationalsozialistische Bürgermeister von Radkersburg, Hermann Macher, Vorsteher der Sparkasse. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft plünderten jugoslawische Partisanen die Sparkasse. Im großen Festsaal wurde in der Nachkriegszeit ein Kino untergebracht (Schließung 1977). Auf Basis des Kaufvertrages vom 29. Juni 1979 wurde die Republik Österreich neue Eigentümerin der Liegenschaft Grazertorplatz 15. In das Haus zog das Finanzamt ein, wo es noch heute untergebracht ist.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Langgasse 43

    • 8490 Bad Radkersburg
    Objekt
    Freihof Purgstall-Neuweinsberg
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1527
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaute Haus, das 1609 zum Freihof erhoben wurde und heute noch unter dem Namen Freihof Purgstall-Neuweinsberg bekannt ist, beheimatete ab 1848 das k.k. Bezirksgericht Radkersburg. Es ist belegt, dass Häftlinge des nach dem „Anschluss“ 1938 Amtsgericht Radkersburg genannten Gerichts für schwere Arbeiten in der Kohleverladung herangezogen wurden. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurde das nun wieder Bezirksgericht Radkersburg genannte Gericht kurzzeitig von jugoslawischen Partisanen kontrolliert und Gefangene zu Arbeiten eines sowjetischen Baukommandos verpflichtet. Das Bezirksgericht Bad Radkersburg wurde am 1. Juli 2014 geschlossen. 2023 wurde das Objekt öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Hauptplatz 18

    • 8530 Deutschlandsberg
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1448
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Bezirksgericht Deutschlandsberg übersiedelte 1899 in jenes Gebäude, in dem es noch heute, unter der Adresse Hauptplatz 18, ansässig ist. Das seit August 1938 „Amtsgericht Deutschlandsberg“ genannte Bezirksgericht war ein bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Das amtsgerichtliche Gefängnis war bei geringen Strafen ein Strafvollzugsarrest, aber es wurde auch als Polizeigefängnis für politische Häftlinge genutzt. Der Gerichtsvorsteher, ein illegaler Nationalsozialist, stellte Ende 1944 oder Anfang 1945 eigenmächtig der SS zwei Arrestzellen zur Verfügung. Achtzehn in diesen beiden Zellen einsitzende Häftlinge wurden am 10. April 1945 unter einem Vorwand auf die Hebalm transportiert und auf Anweisung des NSDAP-Kreisleiters ermordet. Das bezirksgerichtliche Gefängnis wurde 1972 aufgelassen.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Dr.-Christian-Niederdorfer-Straße 1

    • 8570 Voitsberg
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1900
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Bezirksgericht Voitsberg, das sich seit Dezember 1900 in demselben Gebäude befindet, war ab 1933 in die staatliche Bekämpfung politischer Gegnerinnen und Gegner voll eingebunden. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 war das Bezirksgericht das Zentrum der Inhaftierung echter und vermeintlicher politischer Gegner des Nationalsozialismus im Bezirk Voitsberg. Auch zwei Bürgermeister des Bezirks wurden verhaftet, der Ligister Bürgermeister Dr. Anton Saurugg und der Voitsberger Bürgermeister Anton Löser. Im August 1938 wurde das Bezirksgericht Voitsberg, wie alle Bezirksgerichte der „Ostmark“, zum Amtsgericht. Wie viele politische Fälle belegen, war das Amtsgericht Voitsberg ein bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Im Jahr 2013 wurde das Gebäude des Bezirksgerichts Voitsberg unter Denkmalschutz gestellt.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Herzog-Ernst-Gasse 9

    • 8600 Bruck an der Mur
    Objekt
    Heute:    Polizeiinspektion
    NS-Zeit: Gendarmerieposten
    Baujahr
    1561
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    1561 erhielt der kaiserliche Hofrat Andreas Pögl von Kaiser Ferdinand I. das Gebäude in der heutigen Herzog-Ernst-Gasse 9 als Geschenk. 1607 erstand Erzherzog Maximilian Ernst von Österreich dieses Haus und ließ es zu seiner Burg umgestalten. Seit 1925 ist dieser zweigeschossige Bau das Amtsgebäude der Gendarmerie. Bei den Februarkämpfen 1934 wurde die Gendarmeriekaserne in Bruck vom Republikanischen Schutzbund beschossen. Mit dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde auch der Gendarmerieposten Bruck an der Mur bei politisch-polizeilichen Angelegenheiten im Rayon der verlängerte Arm der Gestapo Graz. In Zusammenarbeit mit der Gestapo hob der Gendarmerieposten Bruck beispielsweise im Februar 1944 ein „Komplott“ von Eisenbahnbediensteten aus, die angeblich geplant hatten, Eisenbahn- und Industrieanlagen zu sprengen. Auf Basis des Rückstellungsbescheides vom 14. März 1948 ging das Eigentumsrecht des Gebäudes auf die Republik Österreich über. Heute befindet sich die Polizeiinspektion Bruck an der Mur im Gebäude mit der Adresse Herzog-Ernst-Gasse 9–11.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Grazer Straße 3

    • 8680 Mürzzuschlag
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1935
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Bezirksgericht Mürzzuschlag befindet sich seit 1935 im Amtsgebäude mit der heutigen Adresse Grazer Straße 3. Im August 1938 wurde das Bezirksgericht Mürzzuschlag zum Amtsgericht. Das Amtsgericht Mürzzuschlag war bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Es war etwa an der Bestrafung polnischer Landarbeiter wegen verschiedener Delikte und an der formellen Abwicklung der Enteignung geflüchteter oder verschleppter Jüdinnen und Juden beteiligt. Auch übernahm das Amtsgericht die nachträgliche Legitimierung von erzwungenen Unterbringungen in „Gau-Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke“, die eine Gefahr für Leib und Leben der Patientinnen und Patienten bedeuten konnte. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurde das Amtsgericht Mürzzuschlag wieder zum Bezirksgericht Mürzzuschlag.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Herrengasse 11

    • 8750 Judenburg
    Objekt
    Neue Burg
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1600
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das Bezirksgericht Judenburg ist seit 1850 in der sogenannten Neuen Burg, die 1596 bis 1600 gebaut wurde, untergebracht. Bereits das k.k. Bezirksgericht war an der gerichtlichen Verfolgung von „Zigeunern“ in Judenburg beteiligt. In den 1930er Jahren stieg die Zahl politscher Verfahren, Nationalsozialisten wurden zahlreich im Bezirksgericht arretiert. Nach dem „Anschluss“ Österreich an das Deutsche Reich im März 1938 war das Bezirksgericht ein bedeutender Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Die Gefangenen wurden auch für schwere Arbeiten herangezogen. Das seit August 1938 Amtsgericht Judenburg genannte Gericht war an der formellen Abwicklung der Enteignung geflüchteter oder verschleppter Jüdinnen und Juden beteiligt. Im April 1945 war das Amtsgericht Judenburg Zwischenstation eines sogenannten Endzeitverbrechens, als sechs ausländische Arbeiter im amtsgerichtlichen Gefängnis festgehalten und einige Tage später von Gestapobeamten in Zeltweg erschossen wurden.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Ausseer Straße 34

    • 8940 Liezen
    Objekt
    Heute:    Bezirksgericht
    NS-Zeit: Amtsgericht
    Baujahr
    1904
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    Das 1904 neueröffnete Bezirksgericht Liezen war nach dem autoritären Schwenk der Regierung Dollfuß 1933 in die staatliche Bekämpfung politischer Gegner voll eingebunden und diente als Inhaftierungsort von Nationalsozialisten. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 wurde das nunmehr Amtsgericht Liezen bezeichnete Gericht zu einem bedeutenden Teil des lokalen nationalsozialistischen Herrschaftsapparates. Das Amtsgericht Liezen war in der NS-Zeit für rechtskräftig ausgesprochene Entmündigung zuständig, was die zwanghafte Unterbringung von Patienten und Patientinnen in einer „Gau-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke“ im Nachhinein gerichtlich legitimierte. Der Gefangenenhausbetrieb im ab 1945 wieder Bezirksgericht Liezen genannten Gericht wurde mit Ende 1973 eingestellt. 2015 kam eine umfassende Erweiterung des Gerichtssprengels des Bezirksgerichts Liezen im Zuge der Schließung mehrerer Bezirksgerichte zum Abschluss.

    Markus Rieger-Roschitz

  • Ausseer Straße 70

    • 8940 Liezen
    Objekt
    NS-Zeit: Wirtschaftsamt
    Baujahr
    1940
    NS-zeitliche Belastung
    belastet
    Kurzbeschreibung
    1940 wurde das Wirtschaftsamt Liezen in der Ausseer Straße 70 neu gebaut. Die Hauptaufgabe des Wirtschaftsamtes war es, die Bezugsscheinausgabe für Gebrauchsgüter – seit Kriegsbeginn am 1. September 1939 herrschte eine allgemeine Bezugsscheinpflicht – organisatorisch abzuwickeln. Dies betraf etwa die Verteilung von Seifenkarten, Kleiderkarten, Raucherkarten und vor allem Lebensmittelkarten. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wurden mehrere Mitarbeiter des Wirtschaftsamtes auf Weisung der britischen FSS entlassen. In den Folgejahren beheimatete das Gebäude Ausseer Straße 70 verschiedene Behörden, wie etwa das Fürsorgeamt, dann das Finanzamt (bis 1980). Seit 1961 ist die Liegenschaft im Besitz der Republik Österreich. Bis 2012 war dann das Vermessungsamt Liezen hier untergebracht. Heute hat der Österreichischer Gewerkschaftsbund, Region Obersteiermark Nord, seinen Sitz in der Ausseer Straße 70.

    Markus Rieger-Roschitz

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